Segeltörn-2011-T23-0003

Kalvoe nach Aero

12.09. Voller Tatendrang standen wir heute auf, denn wir hatten uns einiges vorgenommen. Im Rückblick auf das schöne Wetter von gestern, hofften wir, dass Rasmus uns heute auch so wohl gestimmt war.

Doch, dem war gar nicht so. Schon beim Zähneputzen stellten wir fest, dass wir nicht unter vollen Segeln nach Aero schippern würden.

Eigentlich begann der Tag auch nicht optimal. Unser Wassertank war leer, die Brötchen schwarz und unser backbord Buglicht ging gen Hafengrund. Alle angeblichen Tauchversuche halfen nicht und wir mussten es verschollen auf dem Meeresboden zurücklassen. In 100 Jahren wird man es wohl als historisches, technisches Wunderwerk in einem Museum ausstellen, sofern man es überhaupt findet.

Das Spülen gestaltete sich im Vergleich dazu als wesentlich schwieriger. Wir spülten in einem mit Zugangscode gesicherten Waschhaus kalt, nachdem wir alles 1km weit eigenhändig geschleppt haben.

Nach einigen Seemeilen unter Motor, wagten wir es endlich das Segel (die Genua) zu setzen. Die starke Krängung (einfach ausgedrückt „Schräglage“) überraschte uns doch etwas. Wir mussten zum ersten Mal unsere Schwimmwesten tragen und uns bei jeder kleinsten Bewegung ein piken (Sicherungsgurte mit Karabiner werden wahllos an Teile des Schiffes geklickt)

Als wir aus der schützenden Landzunge hinausfuhren, mussten wir einsehen, dass unser Ziel Aero, nicht mehr lebendig zu erreichen war. Deshalb entschloss sich Tilman Masholm anzulaufen. Seine Entscheidung war nicht unerheblich durch Matjesbrötchen beeinflusst.

Rasend- mit vorher noch nicht erreichten 7 Knoten, fegten wir wortwörtlich über die Ostsee. Das Großsegel hätte unser Geschwindigkeitswahn wohl eher gestört, weshalb es heute Pause hatte.

An den jeweiligen Wind angepasst, refften (die Segelfläche verkleinern) wir die Genua. Einige Crewmitglieder durften bei diesem Wind auch mal ans Steuer. Jeder hatte so eine kleine Eingewöhnungsphase, die sich durch starke Schlangenlinien und Kenteranzeichen bemerkbar machte, doch im Groben lief alles „rund“.

Heute war der wellenreichste Tag, der zweiten Woche. Von anfänglichen 30 cm Wellenhöhe steigerten wir uns auf einen Meter.

Nach einigen Wetterupdates landeten wir in Mommark, der Perle Dänemarks, besonders ausgezeichnet durch ihre Toiletten, die einem Ikea- Einrichtungshaus ähnelten. Wir sind das schönste Schiff im Hafen, neben ca. 5 Fischkuttern.

Das Anlegen war eine größere Aktion, da die Klampen einfach nicht für unsere lange Yacht gereicht haben.  Offenbar ist Mommark nicht auf solch einen hohen Besuch eingestellt.

Heute gab es Chili con Carne con Mais y Bohnen, serviert in einem Spaghettinest. Es hat allen geschmeckt, obwohl einige noch Jogurt zum Feuerlöschen benötigten.

Das nächste High-„light“ unseres Abends war das Partyboot während unseres Strandspazierganges- ein Industriefrachter, der mit seinem Beleuchtung die halbe Ostsee bestrahlte, leider nun aber gänzlich ohne Positionslichter, die gegen diese Lichtgewalt nicht ankamen.

Es folgte das weitere Vertauen unseres Bootes mit dem Steg. Bei einem kommenden Orkan schwimmt ganz Mommark mit uns mit.

Den Abend ließen wir mit einigen Kartenspielen ausklingen, mit Tee und diversen anderen wärmenden Getränken und schöner Musik. Passend zu unseren Erwartungen lief heute wohl auf Dauerschleife Farin Urlaub, Die Insel.

Für Morgen sind 8-9 Beaufort angesagt, somit leider für uns eine Segelpause. Wir werden stattdessen Sonderborg besuchen und einen gemütlichen Tag verbringen.

Gruß Simone und Jan

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