Genua gerissen – Tag 5 auf See

„Wenn man das dicke Ding zu hart reindrückt, kann schon mal was reißen.“ O-Ton des Bordkükens nachdem sich die Genua unseres echt dicken Bootes hart am Wind verabschiedet hatte. Aber zunächst Eins nach dem Anderen:

Heute früh um 0900 ging der Tag nach gigantischen 14 Stunden Schlaf in Middelfart los. Wetter stand auf dem Programm! Nachdem wir mitten in der Nacht noch einmal bei Regen und Wind raus mussten, um unser Schiff mit einem Extraseil zu sichern, galt es zu checken, ob wir überhaupt auslaufen konnten. Im sicheren Hafen zeigte der Windmesser 6 Bft an; in Böen auch schon mal hart an der Grenze zu 7 Bft. Für uns bedeutete das, das Ablegemanöver genau zu besprechen, weil mit Wind schräg von achtern die Gefahr bestand auf das Nachbarboot zu treiben. Relativ schnell war aber klar, dass wir alle raus wollten, also los, ran an die Schoten und ablegen. Mit einem perfekten Manöver sind wir dann auch in den Tag auf See gestartet – Stimmung absolut auf dem Höhepunkt. Diesen Schwung mitnehmend ging unser Gruß an Rasmus mit Jim Bim und dem Wunsch nach Wind und gutem Wetter.

Nach einigen Minuten unter Motor wurde die Genua etwa zur Hälfte ausgerollt. Resultat: bis zu 7 Knoten Fahrt mit dem kleinen Stück Tuch vorne am Boot. Genial! Mit Kurs hart am Wind pflügten wir durch die brechende See und hängten dabei den einzigen Mitsegler dem wir an diesem Tag begegnen sollten ab. Wenige Zeit später waren wir so gut, dass unser Action-Steuermann übernehmen durfte. Resultat diesmal: eine gerissene Genua! Für die Stimmung bedeutete das zunächst mal einen ordentlichen Dämpfer, wie sollte es weiter gehen? Der ursprüngliche Zielhafen Soby war so nicht mehr erreichbar und ohne Ersatzsegel an Bord blieb uns nur der Motor. War unser Törn jetzt schon gelaufen? An dieser Stelle hat unser Skipper ganze Arbeit geleistet, mit dem Vercharterer Kontakt aufgenommen und alles geregelt, sodass wir einen nahegelegenen Hafen anlaufen konnten (Kalvo oder Aabenraa standen zur Auswahl) – in Aabenraa sollen wir morgen hoffentlich ein neues Segel bekommen.
Bevor wir allerdings dort angekommen sind, mussten wir noch ca. 15 Seemeilen unter Motor zurücklegen, direkt gegen den Wind.

Direkt gegen den Wind bedeutet ebenfalls direkt gegen den Seegang… mit einem Gleiter gibt es auf dem Kurs coole Sprünge, mit unserem Segler geht es allerdings noch viel besser ab: der Bug steigt zuerst gen Himmel, um dann im nächsten Wellental unter der nachkommenden Welle abzutauchen. Ohrenbetäubendes Krachen und überkommende Wellen inklusive. Unsere Frau Nummer Eins, mittlerweile am Steuer, wurde dementsprechend durchnässt – bis auf die Unterwäsche… Wet T-Shirt Contest on Board.

Durch das viele Auf und Ab durch die Wellen wurde auch unsere Stimmung entsprechend wieder gesteigert… hochgeschaukelt sozusagen. Unter Motor werden bekanntermaßen auch die Batterien geladen, deshalb setzten wir der stimmungsvollen Fahrt die Krone auf mit Musik; und mutierten zum Partyboot. Mit lauter Musik durch die Wellen in den Hafen.

Ja, und nun sitzen wir hier im Bootssalon, haben uns den Bauch mit richtig schöner Pizza von „Tony“ aus dem Hafen vollgeschlagen und spielen Prominente-Raten.

Übrigens: Der Co-Skipper sollte mal Verantwortung benutzen. Und nicht immer nur abdrücken. :)

Gruß,

Die Crew

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