Ein neues Semester

Heute Startet das neue Semester. Nach diesem sehr Erfahrungsreichen und Wunderschönen Sommer tut es gut wieder hier zu sitzen und einer "vernünftigen" Tätigkeit nach zu gehen, auch wenn zu Studieren nicht unbedingt das Vernünftigste ist, was man tun kann. Jedoch ist jede Arbeit zu einem fixen Ziel erfüllender, als einfach in jeden Tag hinein zu leben.

Gerade sitze ich in der Bereichsbibliothek Physik, Mathematik, Chemie (PMC). Ich liebe Bibliotheken. Lange Bücherreihen, voller intellektuellen Ausflusses und nichtssagender Abschnitte. Früher, Anfang des 19. Jahrhunderts reichte einem Gelehrten ein circa drei Meter langes Bücherregal um das gesamte Wissen der Menschheit auf zu nehmen, vom Schmiedehandwerk über Geschichte bis hin zu Philosophie. Heute bräuchte man eine Bibliothek in der Größe einer kompletten Kleinstadt.

Die in Kunstlicht getauchten Bücherreihen mit Ihren vergriffenen und mit Pappe verstärkten Einbänden strahlen die Ruhe einer längst schon in Vergessenheit geratenen Vergangenheit aus. Das Wissen der meisten Werke wurde längst schon Überholt oder Widerlegt. Einige Bücher wurden noch nie von ihrem Platz entfernt und gelesen und bei anderen hat man nur noch eine Mappe mit Blättern in der Hand, weil sie schon zu oft gelesen wurden und durch die Hände hunderter Studenten gingen.

Auch wenn unsere Zeit so unglaublich schnelllebig geworden ist und die Zeitung von Heute, mit ihren Nachrichten von gestern bereits veraltet ist, bevor das erste Exemplar aus der Druckerpresse läuft, scheint in einer Bibliothek die Zeit viel langsamer zu vergehen. Einige meiner Physik Lehrbücher sind aus der Zeit um 1925 herum und heute noch aktuell. Zwar steht das gleiche Wissen, einige male aufbereitet und in wesentlich lesbarer Form, meist direkt daneben, doch das Originalwerk hat oft seine ganz speziellen Reize.

In eine Bibliothek hinein zu schauen, an den Büchern vorbei zu schweifen ist so, als würde man sich im Herbst auf eine Parkbank, mitten in einer belebten Fußgänger Zone setzen und die Leute beobachten. Man sieht alte, vom Leben gezeichnete Leute, junge Junkies, in Ihrer Zeit stehen gebliebene Blumenkinder, Junge Leute in Gewändern aus der Zeit des Mittelalters, ältere Frauen mit dem Stil ihres Enkelkindes und auch einfache Leute, die sich mit der Zeit und ihrem Alter abgefunden haben. Letztere sind mit Romanen und zeitgenössischen Werken zu vergleichen, die es nur sehr selten schaffen, sich einen Platz in der Literaturgeschichte zu sichern.

Um es einmal anders zu beschreiben, in einer Bibliothek ist es Ruhig. Keine Stille, sondern Ruhe. Eine Distanz zwischen seiner Person und allen anderen Personen im Raum, auch gegenüber den Autoren der Bücher, die sich besser als Respekt und Achtung beschreiben lässt. Alles ist strukturiert, geordnet und sortiert, ohne steril oder gezwungen zu sein.

Diese Ordnung spiegelt meist auch das menschliche Bewusstsein wieder. Wenn man denkt, ist man in einer riesigen Bibliothek gefangen. Man muss suchen, alles Vergleichen was man findet, irgendwas hat man immer nicht gefunden weil irgendjemand es verlegt hat und was meistens der Fall ist, stehen in allen Büchern die man gefunden hat unterschiedliche Meinungen und man weiß nicht was man möchte. Ganz nach dem Motto: "Zwei Leute, Drei Meinungen". Aber man muss sich dann nur zurück lehnen, die Decke, Wände und Regale lange genug anstarren, ein neues Buch und einen Stift griffbereit haben und irgendwann kommt einem schon der erste Satz in den Sinn, um die Geschichte seines Lebens weiter zu kritzeln.

An meiner Geschichte weiter schreibend ende ich erst einmal hier und stürze mich in meine nächste Vorlesung hinein, in dem Wunsch die Bibliothek mitnehmen zu können und damit nicht der bedrückenden, verwirrten Atmosphäre des Vorlesungssaales ausgeliefert zu sein.

Gruß André

Klettern in Arco am Gardasee

Vom 28.08. bis 01.09. war ich in Arco am Gardasee Klettern. Der Ausflug lief über den DAV Mainz. Unser Ausbilder war der Heinz. Ihm möchte ich direkt nocheinmal für dieses schöne und erfahrungsreiche Wochenende Danken. Aber vorallem auch Annette, die es recht schwer mit mir hatte, einen herzlichen Dank und noch eine Entschuldigung.

Annette, die das Auto stellte, Julia und ich, fuhren Samstags morgens um 7:00 mit ein wenig Verspätung (dank mir) los und holten in Kassel Tine ab. Auf dem Weg nach Kassel standen wir dann schon ca. 2h im Stau. Die weitere Fahrt zog sich dann auch noch ein gutes Stück, wodurch wir erst spät Abends, gegen 22:00, am Campingplatz in Arco an kamen. Die andere Gruppe im zweiten Auto hatte bereits zwei Parzellen gemietet und uns angemeldet, wodurch wir nur noch unsere Zelte aufschlagen mussten.

Am zweiten Tag ging es dann gleich los. Leider kann ich mich nichtmehr an die Namen der Routen erinnern (allen), aber das ist denke ich mal auch nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, das es unglaublich Spass machte. Wir gingen zu einer riesigen Platte, hinter Arco. Sie war nicht sehr steil, jedoch auch nicht gerade Flach. Ich hatte zuerst einen heiden Respekt davor, da ich solch eine Platte noch nie zuvor begangen hatte und suchte verzweifelt nach Griffen, die ich so gut wie nie fand. Nach den ersten Metern hatte ich dann den dreh raus mit Reibung auf den Platten zu stehen und kam sehr gut voran. Ich hatte irgendwie den Eindruck, Spiderman mäßig eine Wand hoch zu gehen, was super viel spass machte. Hier konnten wir recht entspannt den Standplatzbau üben, der ja für die Begehung von Merseillängenrouten essenziell ist.
Später des Tages, irgendwann nach Mittag, machten wir uns weiter auf zu einer Anderen Route, irgendwo hinter dem Campingplatz. Diese traf schon eher meine Erwartungen. Über insgesamt vier Seillängen ging es den Berg hinauf. Die Route war mit unglaublich vielen Sanduhren bestückt und es machte sehr viel Spass, vorallem die dritte Seillänge hatte eine schöne, knifflige Stelle, unmittelbar vor dem Standplatz.
Wie eigentlich jeden Abend ging es dann zum Essen in die beschaulichen Gassen von Arco. Es ist ein schöner Ort, mit einer schönen und verwinkelten Fußgängerzone und die Altstadt von Arco hat ebenfalls ihre Reize.

Am kommenden Morgen brachen wir dann auf, um eine größere Tour in Angriff zu nehmen. Als wir gerade im Auto saßen, auf dem Weg zu der Tour kam eine Schlecht wetterfront über die Bergkämme heran gezogen. Es war ein kaum zu beschreibendes Bild, wenn über einem noch blauer Himmel und Sonnenschein ist, und in der Ferne, im Tal, eine solche Front, ganz gemächlich auf einen zu rollt. Ein Anblick den man nur in den Bergen hat.

Nachdem wir dann einkaufen waren und es uns in einem Café gemütlich gemacht hatten, der Regen abgeklungen war und es langsam aber stetig wieder trocken wurde, machten wir uns dann auf, aufgrund des schon vortgeschrittenen Tages eine kleinere Route zu machen. Sie war ebenfalls sehr schön und machte unheimlich viel Spass.

Am Letzten Tag machten wir dann die Route, die wir eigentlich am Vortag vorhatten zu begehen. Sie war, für das was ich bisher geklettert bin mit (ich erinnere mich nicht genau) ca. 10SL sehr lang und aufgrund langsamer Seilschaften vor uns, auch Zeitlich recht fordernd. Leider hatte ich meine Kamera nicht dabei gehabt, was ich im Nachhinein sehr bedaure, da der Ausblick wirklich unbeschreiblich war und jedem Versuch trotzt.

Die Rückfahrt war in Anbetracht der Hinfahrt sehr kurz und recht Ereignis los.
Eigentlich könnte ich noch unglaublich viel schreiben, jedoch erinnere ich mich an manches nurnoch wage und anderes möchte ich lieber nicht zu Papier bringen 😉 daher: "that's all folks".

Arco ist ein wundervolles Fleckchen Erde und jeden Weg wert! Ich werde in den kommenden Jahren sicherlich noch das ein oder andere mal hin fahren und dann mehr und genauer berichten wie schön es dort doch ist.

Gruß André